Warum ich dem Tod ein Lächeln schenke

Tod, Sterben, Leben, Familie, Liebe

Warum ich dem Tod ein Lächeln schenke

Meistens kommt es ganz plötzlich, für alle Beteiligten völlig unerwartet: Ein Verwandter oder Freund stirbt. Dann ist die erste Reaktion der nächsten Angehörigen häufig: Schockstarre. Tausend Fragen schwirren in der Luft, viele Details – von der Beerdigung bis zum „Leichenschmaus“ –, alles muss  im Idealfall im Sinne des Verstorbenen organisiert werden. Und ein Gedanke lässt die Beteiligten nicht los: Wären wir doch besser vorbereitet …

Da ist etwas Wahres dran: Denn ein anderer Umgang mit dem Tod würde – gerade in solchen schwierigen Situationen – einiges erleichtern!

Das Ende

Deswegen umarme ich den Tod! Schließlich gehört er unbedingt zum Leben dazu – er markiert das Ende. Jeder Streit, jede noch so wichtige Angelegenheit, alles, was mich tagtäglich nervt, wird in seiner Gegenwart unbedeutend. 

Ein offener Umgang ermöglicht Gespräche über den Tod zu Lebzeiten. Und glaubt mir: Diese Offenheit erleichtert den Moment, wenn der Sensenmann euren Liebsten einen Besuch abgestattet hat. So könnt ihr alle Wünsche und Vorstellungen in Ruhe besprechen, bevor es zu spät ist. Und die Verwandten müssen sich weniger Gedanken um das Organisatorische machen. Oft erlebe ich es nämlich, dass Kinder beim Tod ihrer Eltern mit dem ganzen Drumherum überfordert sind, da sie nie mit ihren Eltern darüber gesprochen haben, was sie sich wünschen, wenn sie sterben.

Dennoch gibt es Situationen im Leben, die so schrecklich sind, dass sie jenseits der Vorstellungskraft liegen. Für Eltern ist es die Höchststrafe, wenn ihre Kinder sterben. Darauf kann niemand vorbereitet sein! Deswegen möchte ich diesen Fall ausdrücklich ausklammern. 

Der Abschied

Durch eine bessere Vorbereitung zu Lebzeiten gelingt es den Hinterbliebenen, die Beerdigung als das wahrzunehmen, was sie ist: eine tolle Möglichkeit, um Abschied zu nehmen. Diese Chance zu nutzen fiel meiner Mutter bei der Beerdigung meines Vaters wahnsinnig schwer. Zu sehr war sie in einer Schockstarre gefangen. Das finde ich sehr schade!

Aus einem ähnlichen Grund mag ich persönlich zum Beispiel auch Friedhöfe. Sie strahlen eine ganz besondere Stimmung aus. Diese ganz bestimmte Ruhe erlebe ich nur dort. 

Und auch dieser Gedanke hilft mir dabei, dem Tod die Schwere zu nehmen: Der Verstorbene leidet nicht (mehr). Für ihn haben die Qualen des Lebens ein Ende. 

Die Prioritäten

Je mehr ich mir vor Augen führe, dass das Leben endlich ist und jederzeit vorbei sein kann, desto mehr entwickle ich ein Bewusstsein dafür, was wirklich zählt im Leben. Diese Erkenntnis hat in jedem Fall Einfluss auf meine Prioritäten. Und so wirkt sich die Beschäftigung mit dem Ende positiv auf meine Lebenszeit aus – ich nutze sie nämlich ganz anders. Das Leben rückt für mich gerade durch die Auseinandersetzung mit dem Tod in den Fokus.

Natürlich möchte ich nicht jeden Tag über mein Ableben nachdenken. Aber ich bin überzeugt: Wer vorbereitet ist, kann besser gehen.

Auch wenn es nicht jeder lustig findet: Humor hilft mir dabei, dem Tod mit offenen Armen zu begegnen. In diesem Sinne ist auch dieser Spruch zu verstehen, den ich euch mit einem Augenzwinkern und einem Lächeln mit auf den Weg geben möchte: 

„Wenn man tot ist, ist das für einen selber nicht schlimm, weil man ja tot ist, nur die anderen müssen damit zurecht kommen. Genauso ist das, wenn man doof ist.“

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