WEITERBILDUNG MIT BUMMS DAHINTER

Weiterbildung, business, leben, erfolg, unternehmen

WEITERBILDUNG MIT BUMMS DAHINTER

Wenn ich einige Monate nach einer externen Weiterbildung in ein Unternehmen komme, dann habe ich in aller Regel schon leichte Gänsehaut. Denn ich komme häufig als trauriger Retter in der Not. Meine Vorahnung bestätigt sich spätestens, wenn ich eine der Führungskräfte aus der vergangenen Weiterbildung treffe. „Weißt du, Jörg, wir hatten da einen klasse Workshop, war echt super!“, beginnt so ein Gespräch in aller Regel. Nur um so zu enden: „… aber wir machen das jetzt doch nicht.“

Dass Unternehmen mich dann holen, wenn Weiterbildung 1, 2 und 3 gescheitert oder verpufft sind, finde ich erschreckend und vielsagend zugleich. Denn es zeigt doch ganz deutlich: Der Haken einer jeden Weiterbildung scheint in der Umsetzung zu liegen.

Irgendwas fehlt hier …

Warum also scheitern Führungskräfte wie Mitarbeiter so grandios an einer Weiterbildung nach der nächsten? Warum können sie nichts von den gelernten Inhalten behalten oder langfristig umsetzen?

Nun, ich könnte jetzt argumentieren, dass nichts langweiliger ist als das, was man gestern gelernt hat. Da ist definitiv was dran, das kenne ich aus meiner Selbstbeobachtung. Aber ich glaube, die Krux liegt tiefer: Weiterbildung, wie wir sie in Deutschland aktuell betreiben, produziert ganz einfach Bildungs-Eununchen.

Sie wissen in der Theorie ganz genau, wie „es“ geht. Sie können sich „es“ sogar bildhaft vorstellen oder haben schon bei anderen zugesehen. Aber wenn’s an die Umsetzung geht, sind sie denkbar schlecht ausgerüstet, um erfolgreich Kinder zu machen … äh, Mitarbeitergespräche zu führen, Leadership zu gestalten oder sonst welche Inhalte aus der Weiterbildung umzusetzen, meine ich.

Weiterbildung mit Sebastian Vettel

Dass Weiterbildung kein einfaches Terrain ist, ist mir dabei durchaus bewusst. Und ich verstehe die ganzen Berater und Seminarleiter, die jetzt den Kopf über mich schütteln und sagen: „Ja gut, Herr Kopp, das ist ja schön und recht, aber wir können ja auch nichts tun außer eben in der Weiterbildung das bestmögliche Vorgehen zu vermitteln!“

Diese Herrschaften muss ich leider auf die Rennstrecke verweisen. Wenn Sie den Teilnehmern einer Weiterbildung das Optimum vermitteln, also die 100 Prozent, dann ist das genauso als wenn Sie einen Anfänger mit auf den Hockenheimring nehmen und ihm zeigen, wie Sebastian Vettel diesen abfährt. Hier abbremsen, da ruckartig nach links ziehen … Am Ende geht Ihr Schützling von der Strecke und sagt sich: Aha, das ist also das Niveau, das ich jetzt draufhaben müsste.

Fährt er dann zwei Tage später zum ersten Mal allein ins Rennen, kann er ja nur bravourös scheitern – mit dem übertriebenen Anspruch, sofort wie Vettel persönlich zu fahren!

Per Hochsprung ins Schloss

Dieses Scheitern in der Umsetzung sorgt für jede Menge Frust, klar. Frust mit der Weiterbildung, Frust mit sich selbst und vor allem stirbt mit dem Frust auch gleich die Lust weg, sich zu verbessern und die Inhalte der Weiterbildung tatsächlich anzuwenden. Hat schließlich nicht geklappt.

Weiterbildung heißt für mich deshalb nicht, das absolute Traumbild vom Schlösschen in den Wolken zu vermitteln. Ich arbeite lieber mit Leveln. Heißt: Eine Weiterbildung ist keine einzige hohe Mauer, auf die die Teilnehmer aus dem Stand springen sollen. Nein, sie besteht vielmehr aus lauter kleinen Stufen und sie können von einer zur nächsten steigen.

Da stößt man sich schon mal den Zeh oder tritt ungeschickt auf. Aber insgesamt bewirkt eine Weiterbildung nach dieser Facon deutlich mehr Erfolgsgefühle als die Hochsprungvariante. Die Umsetzung macht so mit einem Mal Spaß, so kommt Drive rein, so ist Bumms dahinter! Und dann bleiben die Leute auch dran.

Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis wir in Deutschland endlich kapieren, dass eine Weiterbildung keinen unschlagbaren Berg an Wissen braucht. Sondern dass es die Umsetzungskompetenz ist, die zählt.

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