WIE WÄRE ES MAL WIEDER MIT WAHREM INTERESSE?

Jörg Kopp, Blog, Interesse, Menschen, Mitmenschen, Freundschaft, Konversation, Gespräch, Oberflächlichkeit

WIE WÄRE ES MAL WIEDER MIT WAHREM INTERESSE?

„Na, wie geht’s dir so?“ Die wohl scheinheiligste Frage aller Zeiten – in meinen Augen zumindest. Denn nur in den seltensten Fällen hat der Fragensteller auch wirkliches Interesse an der Antwort.

Ich finde das zum Heulen … Denn wann haben wir bitte schön verlernt, echtes Interesse an unseren Mitmenschen zu haben?

Einmal Ausheulen gefällig?

Und dabei spielt der Kontext auch meist überhaupt keine Rolle. Egal ob bei der geliebten Vereinssitzung, beim Mittagessen mit den Kollegen oder der Geburtstagssause mit den Verwandten – viele leben Oberflächlichkeit am laufenden Band. Dabei ist es doch eigentlich viel schöner, sich für die Menschen um euch herum zu interessieren …

Versteht mich nicht falsch. Ich erwarte jetzt nicht von euch, dass ihr ein wandelndes Taschentuch für andere seid. „Was, du hast Probleme? Komm an meine tröstende Schulter.“ Aber sich immer nur von Belanglosigkeit zu Belanglosigkeit in Gesprächen zu hangeln, kann eben auch nicht die Lösung sein. Mir reicht das auf jeden Fall nicht …

Das kleine Einmaleins der Freundschaft

Deshalb schwimme ich diesbezüglich liebend gern gegen den Strom und lasse oberflächliche Menschen ohne eine Träne zurück. Ich trete stattdessen mit meinen Mitmenschen lieber wahrhaftig in Verbindung.

Denn es ist Fakt, dass nur dann Menschen miteinander verbunden sind, wenn sie preisgeben, was sie wirklich bewegt und beschäftigt. Und sich die involvierten Personen auch wirklich füreinander interessieren. Erst dann entsteht Nähe und daraus nicht selten sogar echte Freundschaft.

Doch keine Angst: Ständige Einigkeit ist übrigens keine Voraussetzung für wahres Interesse. Nur weil ihr jemanden besser kennenlernt, müsst ihr nicht jede Meinung mit eurem Gegenüber teilen. Ich setze mich dann aber trotzdem damit auseinander und lerne dadurch neue Sichten auf die Dinge kennen. So erfahre ich nicht nur mehr über meine Mitmenschen, sondern auch über mich selbst.

Tiefe statt Belanglosigkeit

Aber bitte legt euch ab jetzt nicht im Büro bei der Kaffeemaschine auf die Lauer, um noch mehr am Flurfunk teilnehmen zu können. Oder stichelt die Menschen gezielt an, damit sie bei euch ihr Herz ausschütten. Aber wenn sich jemand mit euch unterhalten will – über andere Dinge als das Wetter – dann nehmt das als perfekte Gelegenheit an, etwas Tiefe ins Gespräch zu bringen. Ich gebe dann auch immer etwas von mir preis. Ich erzähle, was mir gerade wirklich wichtig ist, was mich berührt und bewegt. Ja, ich entblöße quasi mein Innerstes. Und ich finde es genial. Denn Oberflächlichkeit gibt es dadurch kaum noch in meinem Leben, dafür aber wirklich gute Konversationen.

Und ich habe das Gefühl, das kommt richtig gut an. Warum? Offenheit macht interessant, sie berührt andere Menschen. Wie auf einer Party: Die Menschen, mit denen ihr gute Gespräche geführt habt, bleiben euch im Gedächtnis. Die, mit denen ihr nur „Na, wie geht’s denn so?“-Konversationen geführt habt, werden schnell aus der Erinnerung verschwunden sein.

Offenheit ermöglicht eben Verbindung. Und ich bin einfach lieber der Typ, der in Erinnerung bleibt. Und ihr?

1Kommentar
  • Rosi
    Geschrieben um 11:39h, 27 Februar Antworten

    Die Frage wie geht’s dir kann durchaus ernst gemeint sein
    Es kommt auf dein Gegenüber an, wie kann ich überhaupt noch kommunizieren, wenn alles was ich sage nicht als ernst und tiefgründig angesehen wird?
    Natürlich gibt es oberflächlich dahingesagte Phrasen!
    Es ist alles schon einmal gesagt worden, die Frage ist nur, wie meint es mein Gegenüber?
    Viele sagen beispielsweise ich liebe dich und wissen nicht einmal selbst, was es bedeutet

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