Die neue Volkskrankheit heißt Unterforderung  

Jörg Kopp, Bored-Out, relaxen, Gemütlichkeit, Einstellung, Symptome, Führungskraft, Chef, Lust, Unterforderung, Krankheit, Menschheit, Arbeit, Job, Büro,

Die neue Volkskrankheit heißt Unterforderung  

Der Blick auf die Uhr verrät die gute Nachricht: Endlich Mittagspause! Ging ja auch gar nicht, der Morgen im Büro. Die Arbeit für den Tag war innerhalb von einer Stunde erledigt, auf Facebook geht gar nichts und auch in WhatsApp herrscht gähnende Nachrichtenleere.

Blöd nur, dass der Arbeitstag nicht schon mit dem Essen in der Kantine endet. Dann muss wohl am Nachmittag noch ein bisschen auf dem Handy gezockt werden.

Hmm, diese Symptome sind für mich eindeutig. Dr. Kopp stellt hier die Ferndiagnose: vollkommene Unterforderung. Da steht jemand kurz vorm Bored-out!

Worst-Case-Szenario

Für viele von euch mag das in Zeiten von Überlastung und Burn-out ja fast schon wie eine Wohltat klingen: Keine Arbeit mehr und das schon vor zwölf Uhr? Kein Stress, keine Panik vor Terminabgaben, keine glühenden Füße vor lauter Herumrennerei? Was für Traumsymptome …

Vielleicht im ersten Moment. Denn was nach Relaxen, Chillen und Entspannen klingt, ist heute trauriger Krankheitsbefund in dieser Gesellschaft. Viele Mitarbeiter langweilen sich im Job fast schon zu Tode und treten dank Unterforderung jahrelang in ihrem Leben auf der Stelle.

Traurig aber wahr: Es könnte doch tatsächlich passieren, dass diese Erkrankten irgendwann mal noch das Ende des Internets erreichen.

Faule Säcke sind selbst schuld

Doch warum dieses ganze Dilemma? Ganz einfach: Zu viele Menschen sind heute schlichtweg unfähig, sich einfach selbst Arbeit zu suchen, wenn sie drohen an Unterforderung zu krepieren. Die faulen Säcke haben gar keinen Bock mehr darauf, sich selbst zu fragen, wie sie einen Beitrag leisten könnten.

„Das ist doch auch nicht meine Aufgabe, in meinem Job nach Arbeit zu suchen. Da ist ja wohl der Chef zuständig, dass ich nicht unter Unterforderung leide und nicht ich.“ Diesen Einwand kann ich ja quasi schon hören.

Klar sollte es einer Führungskraft ein Anliegen sein, dass ihre Mitarbeiter auch die ihrem Gehalt entsprechende Arbeit leisten. Doch ich bin eindeutig der Meinung, dass nicht nur die Führungskraft an dem Schlamassel der Unterforderung schuld ist, sondern es vor allem auch in eurer persönlichen Eigenverantwortung liegt, euer Unternehmen voranbringen zu wollen und euch sinnvoll in einer Tätigkeit zu engagieren.

Dann müsst ihr notfalls eben auch die Eier haben, euren Job zu wechseln. Denn manchmal sitzt ihr einfach auf dem falschen Platz, um euch motiviert einzubringen.

Ein Schwein mit Selbstanspruch

Denn seien wir mal ehrlich: Kein Schwein will acht Stunden am Tag auf seinem Hintern lediglich Zeit absitzen und ausnahmslos Ergebnisse für den Mülleimer produzieren. Also ein Schwein mit Selbstanspruch auf jeden Fall nicht. Deshalb wäre es für mich niemals eine Option – nicht in diesem und auch nicht im nächsten Leben – einen Job zu machen, bei dem ich keine Freude an meiner Arbeit verspüre und ich vor lauter Unterforderung nicht weiterkomme.

Mit dieser Einstellung habe ich schon die eine oder andere Sache in meinem Leben erreicht. Und spreche deshalb aus eigener Erfahrung: Gefordert, erfolgreich und ausgeglichen hört sich für mich auf jeden Fall besser an als ununterbrochen unterfordert zu sein.

Noch keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben