Warum peinlich besser als ängstlich ist

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Warum peinlich besser als ängstlich ist

Ist das euer Traummann? Sollt ihr wirklich eine Beziehung mit ihm eingehen oder ihn für immer in die Wüste schießen? Wolltet ihr euch nicht schon vor Ewigkeiten zum Italienisch-Sprachkurs anmelden oder Salsa tanzen lernen?

Die Pläne habt ihr schon lange geschmiedet und mit der besten Freundin, der Oma und dem Zwerghamster besprochen. Da wird diskutiert, abgewogen und hin und her überlegt. Sollt ihr oder sollt ihr nicht? Welche Nachteile könnte euer Vorhaben bringen? Ist es nicht gerade sowieso zu heiß oder zu kalt, zu windig oder zu regnerisch dafür? Ihr quatscht und quatscht und habt schnell drei Ausreden und fünf Gründe parat, die dagegen sprechen dies oder jenes auszuprobieren. Dabei gibt es ein Argument, dass all eure Bedenken schlägt …

Peinlich? Na und!

Das Ausreden-Suchen ist einerseits verständlich, denn: Um etwas Neues zu wagen, müsst ihr eure Komfortzone verlassen. Und in Zeiten von Dieter Bohlen gehören vorschnelle Bewertungen von anderen offenbar dazu. An jeder Straßenecke bilden sich Menschen ein Urteil über das Outfit, die Frisur oder was auch immer von anderen Leuten. Dabei sind die Kommentare häufig weit entfernt von den Grenzen des guten Geschmacks – brav abgeguckt beim „Pop-Titan“.

Noch schlimmer ist es mit der Lästerei bei Facebook und Co. Ein vermeintlicher Fehltritt ist vielen peinlich – vor allem, wenn alle Welt ihn mitverfolgt. Denn dank der sozialen Medien ist das Scheitern schnell geteilt, kommentiert und für viele sichtbar. Alle sehen unter Umständen, wie ihr voll auf die Schnauze fallt (meistens bildlich gesprochen – manchmal nicht).

Andererseits: Na und?! Ihr testet gerade etwas aus, natürlich kann dabei etwas schief gehen. Nur so seht ihr, ob euer Vorhaben überhaupt praxistauglich ist. Ob ihr mit eurem Partner in spe harmoniert, ob ihr ein Sprachtalent habt oder euch der Rhythmus im Blut liegt, findet ihr auf jeden Fall nicht raus, wenn ihr nur darüber quatscht. Und wenn ihr es ausprobiert, dann kann es selbstverständlich auch mal voll in die Hose gehen. Aber was ist so schlimm daran, wenn ihr euch eben nach einem Monat wieder trennt oder etwas länger braucht als andere, um italienisch sprechen und Salsa tanzen zu lernen? Die Hauptsache ist doch: Ihr habt es ausprobiert und müsst euch nicht länger mit einem „Was-wäre-wenn“ rumschlagen.

Und wer sagt denn, dass euer Vorhaben nicht gelingen kann? Vielleicht feiert ihr bald eure Traumhochzeit oder ihr habt ein tolles neues Hobby gefunden, das euch richtig viel Spaß macht. In jedem Fall könnt ihr dabei nur gewinnen – peinliche Ausrutscher hin oder her.

Eines unter vielen

Wenn mir mal etwas so richtig peinlich ist, dann stelle ich mir vor, welche Auswirkungen dieser Ausrutscher auf das große Ganze, die ganze Welt hat. Ich merke schnell: gar keine! Ich bin nur ein kleines Sandkorn und für den ganzen Strand vollkommen unbedeutend. Wen sollte es also jucken, wenn ich mal auf die Nase fliege? Also lache ich darüber, nehme Anlauf und probiere es einfach noch mal. Oder ich lasse es bleiben, wenn ich festgestellt habe, dass es mir keinen Spaß macht.

In jedem Fall ist das aber besser, als vor lauter Angst, sich zu blamieren, nichts mehr auszuprobieren. Dann beweise ich lieber Mut zur Peinlichkeit und stürze mich in neue Abenteuer.

1Kommentar
  • Bernhard Szecsödi
    Geschrieben um 11:21h, 09 Mai Antworten

    Die allergrößte Hürde für die meisten Menschen ist die Komfortzone zu verlassen, die Angst vor Neuem zu überwinden und einfach zu starten. Da wird in ungeliebten Jobs verblieben, sich nicht von Partnern getrennt, mit denen man oft nur mehr die Adresse als letzte Gemeinsamkeit hat. Die Angst sich zu blamieren oder die Beurteilung (Verurteilung) durch Dritte sollten die unbedeutendsten Gründe sein, sich nicht zu verändern.

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