LOBEN IST DÄMLICH!

Loben, Führen, Führungskraft

LOBEN IST DÄMLICH!

Wer kennt nicht diese eine Sorte von Führungskraft?  

„Schön, dass Sie sich kurz Zeit nehmen. Können Sie bitte heute die Ablage übernehmen – die quillt schon wieder über. Bei Ihnen geht das doch immer so schnell. Für Sie ist das ja ein Klacks.“

Der nachvollziehbare Gedanke des Mitarbeiters: „Du blöder Idiot. Ich hasse die Ablage. Und jedes Mal aufs Neue drückst du mir die rein. Ich hab echt die Schnauze voll. Gut, aber er hat ja jetzt total nett gefragt, dann mache ich das halt …“

Was für ein Schwachsinn ist das denn bitte? Ich finde es einfach nur traurig, dass viele Führungskräfte zur Verführungskraft verkommen sind.

Das gewisse Verführungsmittel

Statt das Potenzial von Mitarbeitern richtig zu fördern, werden sie immer wieder zu Arbeiten verführt, die eigentlich gar nicht zu ihnen und ihren Leidenschaften passen. Gezieltes Loben ist das beliebteste Mittel der Verführung. Die hinterlistigen Gedanken dabei: „Ich weiß, dass du das ja eigentlich nicht gerne machst. Doch einige nette Worte hier und ein paar Lobeshymnen da und schon habe ich dich darin bestärkt, doch die ungeliebte Arbeit zu übernehmen.“

Ich kann euch sagen, einfach nur zu loben ist echt dämlich und leicht zu durchschauen: Während meiner Schulzeit zum Beispiel war ich richtig schlecht in Latein – und das ist noch milde ausgedrückt. Kurz: Ich war versetzungsgefährdet. Doch eine Vier rettete mich vor einer Ehrenrunde. Und meine Familie und die Lehrer? Die lobten mich in den Himmel. Klar, damit ich dranbleibe und das nächste Mal auch wieder ein bisschen büffle – hab ich schon verstanden. 

Das ist doch aber der falsche Ansatz. Denn mal ganz im Ernst: Eine Vier ist jetzt auch nicht gerade eine Bombenleistung. Nein, das war taktisches Loben. Peinlich, wie ich finde. Denn der Empfänger, egal ob im Privat- oder Businessleben, merkt doch in einem Bruchteil von Sekunden, ob solche netten Worte ehrlich gemeint sind oder zum „Warmhalten“ verführen sollen. 

Ein bisschen Leidenschaft, bitte!

Wer erfolgreich sein will, braucht eine Aufgabe, die am besten zu ihm passt, in der er seine Leidenschaft einbringen kann und nicht etwas, wozu er überredet wurde. Nur so hat jemand Spaß an dem, was er tut und erzielt somit auch bessere Resultate. Was kann es für eine Führungskraft besseres geben?

Die Frage ist nun lediglich: Wie finde ich als Führungskraft heraus, wo die Leidenschaft meiner Mitarbeiter liegt?

Die Antwort ist ganz einfach: Nachfragen und Beobachten. 

Wenn ihr euren Mitarbeitern zeigt, dass ihr wirkliches Interesse an ihnen habt, dann werden sie sich auch gerne öffnen. Wenn ihr genau hinschaut, werdet ihr erkennen, bei welcher Arbeit ein Mitarbeiter strahlt …

Und sobald ihr wisst, was euer Gegenüber gerne macht, zündet genau diese Leidenschaftslunte. Befeuert eure Mitarbeiter, indem ihr ihnen die passenden Aufgaben gebt. Denn nur so holt ihr das Beste aus ihnen heraus und bekommt auch den gewünschten Output und wahrscheinlich sogar noch mehr. 

Manipulation – aber richtig

Ich nenne das positive Manipulation. Das ist für mich im Business das Wesentliche. Denn wenn ich weiß, wo die jeweiligen Leidenschaften liegen, kann ich meinen Leuten das geben, was sie haben wollen. Das manipuliert zu guter Arbeit und so sind die Angestellten auch bereit, mehr dafür zu geben und das dauerhaft. „Going the extra mile“ sozusagen. Dass sich das nach und nach auf alle Geschäftsbereiche auswirkt, ist der Extra-Benefit. 

Deshalb ist es so wichtig herauszufinden, welche Stärken und Leidenschaften in einem Mitarbeiter schlummern. Das nenne ich gute Führung. Also weg mit der Verführung und her mit der Manipulation. 

Dann schwärmen eure Mitarbeiter nicht nur von ihrem tollen Chef, sondern sind auch begeistert von eurer außergewöhnlichen Führungskraft. 

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