Liebe kennt keine Konventionen

Jörg Kopp, Konventionen, Liebe, gleichgeschlechtlich, Beziehung, Moral

Liebe kennt keine Konventionen

Viele Frauen müssen jetzt ganz stark sein: Ricky Martin hat geheiratet. Okay, ich weiß: Das ist für echte Fans keine wirkliche Neuigkeit. Aber, was er vor kurzem in einem Interview verriet, überrascht tatsächlich: Ricky Martin wirbt für offene Beziehungen.

Natürlich könnt ihr über den spanischen Schnulzensänger denken, was ihr wollt. Und ob ihr gerne zu „La Vida Loca“ die Hüften schwingt, spielt ebenfalls keine Rolle. Das Spannende an Ricky Martin ist nämlich etwas ganz anderes: Er bricht – was das Thema Liebe betrifft – offenbar mit allen Konventionen. Er ist mit einem Mann verheiratet, hat zwei Kinder von einer Leihmutter und jetzt auch noch das mit der offenen Beziehung …

Gesetze legen den Rahmen fest, nicht die Moral

Wie kann er nur? Gerade erst verheiratet und dann sowas? Was wohl sein Mann dazu sagt? Mit seinem Verhalten ignoriert der Sänger einfach alle gesellschaftlichen Normen – und das in aller Öffentlichkeit.

Richtig so! Mit der öffentlichen Debatte möchte er nach eigener Aussage dazu beitragen, dieses Beziehungsmodell zu normalisieren. Denn dahinter steckt vermutlich das Bedauern darüber, dass manche Menschen offensichtlich gerne alles verbieten würden, was nicht den allgemeinen Konventionen entspricht. Und dieser gesellschaftliche Druck führt zur Unfreiheit des einzelnen. Das ist doch schrecklich!

Natürlich ist in Sachen Beziehung nicht alles erlaubt. Gesetze schützen zum Glück Kinder und Schutzbedürftige vor allen denkbaren Perversitäten. Aber das hat ja nichts damit zu tun, dass alle Nachbarn tuscheln, wenn ein lesbisches Pärchen einzieht oder die Titelblätter der Klatschmagazine alle paar Wochen ein Outing verkünden. Was für ein Skandal!

Mehr Offenheit für Polygamie

Es ist für mich einfach nicht verständlich, warum sich andere Leute in die Beziehung von zwei erwachsenen Menschen einmischen. Oder auch von drei, oder vier … Natürlich immer unter Berufung auf die gesellschaftlichen Konventionen, denn: „Das macht man nicht.“

Ich bin sowieso der Meinung: Polygamie ist etwas ganz Natürliches! Der Zwang dagegen, in Monogamie zu leben, ist nur ein gesellschaftliches Konstrukt. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch in einer Partnerschaft ab und zu an Sex mit einem oder einer Anderen denkt. „Also ich nicht“, behaupten jetzt vielleicht einige. Und genau denen möchte ich laut zurufen: Lasst eure Gefühle endlich zu, anstatt ständig nur erklären zu wollen, warum etwas so ist wie es ist. Macht den Zugang zu euch selbst mal wieder frei!

Zum Teufel mit den Konventionen

Unterwerft ihr euch nämlich diesen zweifelhaften Moralvorstellungen, machen sie euch auf Dauer unglücklich. Schließlich sind das Regeln anderer, die euch weismachen wollen, was richtig und falsch ist. Das hat doch in der Liebe nichts zu suchen!

Deshalb strengt doch mal selbst euer Köpfchen an und überlegt, ob diese Konventionen überhaupt Sinn machen – und am besten, bevor ihr das nächste Mal über euren Nachbarn lästert oder eine Bekannte abstempelt, die sich eben gerne mit unterschiedlichen Partnern vergnügt.

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