MEINE LETZTEN WORTE – VORERST

Jörg Kopp, Blog, Worte, Beziehung, Menschlichkeit, Philosophie

MEINE LETZTEN WORTE – VORERST

Räusper, räusper … Sehr geehrte Leserschaft, wählen Sie Ihre Worte weise. Es könnten immer die letzten sein, die Sie sprechen.

So, genug gesalbte Sprüche und Lebensweisheiten für heute. Wobei ich euch sagen muss: Auch wenn die Weisheit um die letzten Worte sehr nach Dorfpriester-Ratschlag oder Omas Beziehungs-Rezeptebuch klingt – die sind echt wichtig!

Philosophie auf der Couch

Denn ja, es ist fürchterlich abgedroschen, wenn euch irgendwelche Alltagspropheten weismachen wollen, jeden Moment zu genießen, als sei er der letzte. Da dürfte ich ja nie mal eine halbe Stunde damit verbringen, auf dem Sofa zu fläzen und nichts zu tun. Und dafür ist mein Sofa zu gemütlich.

Im Umgang mit anderen Menschen allerdings achte ich sehr darauf, wie wir auseinander gehen. Angenommen wir sehen uns das letzte Mal – kann ja immer der Fall sein – was sollten dann meine letzten Worte zum Abschied sein?

Den letzten Worten Bedeutung zuzumessen und sie mit Bedacht zu wählen, hat dabei für mich herzlich wenig mit rosa Wölkchen und Liebesgesäusel zu tun. Sie bestimmen meiner Meinung nach vielmehr, wie Menschen miteinander umgehen.

Letzte Worte für den Weltfrieden

Wenn ich den Gedanken mal kurz auf die Spitze treiben darf: Ich glaube, unser Umgang mit Anderen wäre freundlicher und friedvoller, würden wir beim Auseinandergehen bedenken, dass es das letzte Mal gewesen sein könnte. Denn unsere letzten Worte wären entsprechend anders. Ihr würdet euren Partner nicht im Streit vor die Tür setzen, wenn ihr wüsstet, dass er danach auf die Autobahn fährt und zwischen Lkw und Leitplanke steckenbleiben könnte.

Warum also nicht ein bisschen mehr darauf achten, ob eure Worte zum Abschied auch als letzte Worte stehenbleiben könnten?

Abschied ohne Knacks

Ob diese letzten Worte dann „gut“ waren oder nicht – das entscheidet niemand außer euch selbst. Keine höhere Instanz und nicht einmal euer Gegenüber muss damit zufrieden sein. Den Anspruch, immerzu im Konsens auseinanderzugehen, kann ohnehin niemand erfüllen. Meine Nächte schlage ich mir mit diesem beknackten Ziel deshalb sicherlich nicht um die Ohren. Wichtig ist mir nur, dass ich mit mir selbst im Reinen bin. Dann kann ich auch mal offen sagen: „Du hast mich verletzt mit dem, was du getan hast“ – und hinterher trotzdem ohne Knacks in der Freundschaft und erzwungenen Liebesentzug auseinandergehen.

Denn letzte Worte sind nicht immer unbedingt „schön“. Das Interessante an ihnen ist doch einfach nur, dass ihr nie wisst, wann die wirklich letzten Worte gekommen sind. Und so wird jede Situation, mit der ihr achtsam umgegangen und in der ihr gute letzte Worte gesprochen habt, zum Sieg über euch selbst. Weil ihr Größe bewiesen habt, anstatt dem anderen verbal den Kopf abzuschlagen.

Die allerletzten Worte

Letzte Worte sind damit also keine Drohung, die permanent über eurem Kopf schwebt und euch Druck macht, jeden Satz doppelt und dreifach zu überdenken. Sie sind ein guter Reminder, das Ego ab und zu hinten anzustellen.

Und mit diesem Gedanken möchte ich mich hiermit von euch verabschieden mit den letzten Worten: Love, peace and happiness!

… habt ihr echt geglaubt, dass ich jetzt irrsinnig plakative letzte Worte von mir gebe? Nö. Manchmal muss man auch einfach nichts sagen können, den anderen zum Abschied fest in die Arme nehmen, wirklich fühlen und dabei die Fresse halten. Und ihn dann loslassen.

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