GEH MIT DEINER MORAL, ABER GEH!

Jörg Kopp, Blog, Menschlichkeit, Ehe, Moral, Heuchelei, Einsamkeit, Glück, Eigenverantwortung

GEH MIT DEINER MORAL, ABER GEH!

Irgendwo weit oben, auf einer der höchsten Wolken am Himmelszelt, sitzt ein Gremium alter Herren mit langen weißen Bärten. Nennen wir es das Moral-Gremium. Dieses Gremium füllt regelmäßig eine Papyrusrolle mit wichtigen Entscheidungen, was das simple Proletariat tun und lassen darf. Oder in anderen Worten: was moralisch korrekt und was moralisch verwerflich ist.

Dumm nur, dass diese weisen Herren sich in einigen Punkten vertan haben …

Das ist kein Argument!

Sie haben zum Beispiel herzlich wenig Ahnung von Liebe.

Gleichgeschlechtliche Paare finden die konservativen Herren unmoralisch. Polygame Beziehungen übrigens auch. Und katholische Priester mit Ehefrauen sowieso. Und ein Großteil der Gesellschaft stellt sich wie ein Wackeldackel hinter das Moral-Gremium und nickt eifrig: Jahaaa, all das – und noch vieles mehr – verstößt gegen die landläufige Moral.

Mir zeigt das nur eines: Die Menschheit hinterfragt ihre ach so tolle Moral überhaupt nicht mehr. Sie ist gefangen in einem Konstrukt aus Ideen, was Moral ist und was den Stempel „gut“, „schlecht“, „richtig“ oder „falsch“ verdient. Aber wie kann es denn gegen die Moral verstoßen, wenn sich zwei Menschen lieben und füreinander da sein wollen?

Diese und ähnliche Fragen stellen sich viele Menschen nicht mehr – und sind entsprechend empört, wenn ich sie laut ausspreche. Die Tatsache, dass Bibi, Babsi und Tina auch alle nichts von der gleichgeschlechtlichen Ehe oder der Aufhebung des Zölibats halten, ist für mich kein Argument.

Ich bin vielmehr überzeugt: Jeder darf ein unmoralisches Leben führen.

Der Gipfel der Perversität

Mord und Totschlag gibt es deshalb mit Sicherheit noch lange nicht. Auch gesellschaftliche Entartungen sehe ich nicht auf der Tagesordnung, solltet ihr die Keule der Moral aus eurer Argumentationskette streichen. Nein, Menschen haben meiner Meinung nach ein Gespür dafür, was geht und was zu weit geht.

Es sind doch vielmehr die Moral, die moralisch korrekten Spießbürger und der moralversessene Mainstream, die für eine kranke Gesellschaft sorgen.

Da werden Priester gegenüber Kindern übergriffig, weil die Moral der Kirche ihnen verbietet, eine Partnerschaft einzugehen. Da müssen sich wundervolle Paare heimlich lieben, weil beide männlich oder beide weiblich oder beide Zwitter sind. Wenn das nicht viel perverser ist als alles, was unter „Moral“ und „Anstand“ läuft, dann weiß ich auch nicht.

Unmoralisch oder unglücklich?

Eine vernünftige Gesellschaft ist für mich deshalb nicht die, in der ihr blind versucht, der Moral-Vorstellung eurer Mitbürger zu entsprechen. Was ihr mit euch selbst, mit eurer eigenen Moral vereinbaren könnt, ist ohnehin eine ganz andere Frage – und gerade deshalb die viel wertvollere.

Eine falsche und aufgedrückte Moral produziert über kurz oder lang nichts anderes als einen ganzen Haufen unglücklicher Menschen. Dass es keiner Institution gelingen kann, eine sinnvolle und allgemeingültige Moral aufzustellen, haben mir die katholische Kirche und diverse politische Parteien hinreichend bewiesen.

Eine vernünftige Form des guten Miteinanders zu finden, hat für mich deshalb herzlich wenig mit Moral zu tun. Sondern vielmehr mit dem Einsatz jedes Einzelnen.

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