FÜHRUNG IST KEINE ONE-MAN-SHOW

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FÜHRUNG IST KEINE ONE-MAN-SHOW

„Eines Tages sitze ich am Kopfende am ganz großen Tisch – und sage allen anderen, was sie machen sollen.“ Das sagte mein jüngeres, pickliges und pubertierendes 15-jähriges Ich. Oder anders gesagt: mein unwissendes, unerfahrenes, doofes Ich. Denn eine Zeit lang habe ich mich auch im Berufsleben genau so benommen, aber nur solange bis ich erkannt habe, dass Führung eigentlich ganz anders geht …

Keine Macht dem Hierarchie-Hengst

Nach diesem klassischen Hierarchiemodell wird jedoch noch in unzähligen Unternehmen gearbeitet. Schön von oben nach unten: Der große Chef gibt Anweisungen und die kleinen Mitarbeiter führen brav aus. Das ist auch sicherlich bis zu einem gewissen Grad ganz okay. Doch es ruft eben auch das eine oder andere Problem auf den Plan. Denn solch ein Hierarchie-Hengst überblickt meist nur das Fachliche, schließlich interessiert auch nur das. Alle anderen wichtigen Führungsbereiche bleiben auf der Strecke.
Tja, liebe Führungskräfte, diese Art von One-Man-Show ist in meinen Augen eine wahre Schande. Denn dadurch vermeidet ihr das, für was ihr eigentlich bezahlt werdet – nämlich das Führen.

Führung nach neuer Rezeptur

Und effektives Führen bedeutet für mich vor allem eines: Verantwortung abgeben. So handhabt das auch eine große Brauerei im Schwarzwald. Als ich vor einiger Zeit dort mit anderen Führungskräften bei einer Besichtigung war, habe ich ein Paradebeispiel für ausgezeichnete Führung kennengelernt. Der Baumeister erklärte uns enthusiastisch sein Bier und machte uns so richtig heiß darauf. Da fragte ihn einer unserer Gruppe, ob der Laden denn stillstehen würde, wenn er mal krank sei. Seine geniale Antwort: „Nein nein, ich bin hier nur der Braumeister. Wenn ich morgen ausfallen würde, wüssten meine Leute noch ein halbes Jahr lang genau, was sie tun sollen. Wir haben schließlich eine strategische Ausrichtung.“ Herr Braumeister, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen.

Das Allround-Paket

Einigen Führungskräften meiner Gruppe fielen doch tatsächlich die Kinnladen runter. Die Wenigsten haben nämlich auf dem Schirm, dass strategisch denken, Erfolg bringt. Stattdessen tüfteln sie an ihrem Tages-Kleinscheiß. Solche Führungskräfte verpassen dadurch, die Arschbacken zusammenzukneifen, die Verantwortung auf alle Schultern zu verteilen und dadurch endlich wirklich zu führen.
Natürlich ist ein Chefchen nicht gleich eine tolle Führungskraft nur, weil es die Verantwortung von sich gibt. Stattdessen braucht sie eben das Allround-Paket. Charakter, interpersonelle Fähigkeiten und manchmal eben auch technisches Know-how sind elementar. Flexibilität – das A und O. Wenn der Kanzlerin beispielsweise einfällt, morgen die Atomkraft abzuschalten, dann muss eine Führungskraft schnell reagieren können. Und nicht nur die, auch Mitarbeiter brauchen das gesamte Wissen eines Unternehmens, um selbstständig in Krisensituationen zu reagieren.

Wahre Führung

Statt ein Hierarchie-Hengst zu werden, entschied ich mich dann doch lieber für das Allround-Paket. Geschafft habe ich es, indem ich mich einfach selbst gefragt habe: Was kann ich zum Erfolg meiner Leute beitragen? Was ist mein Ziel im Sinne der Organisation? Und letztlich auch: Wie will ich eigentlich führen? Das klang für mich erst nach einer Menge Arbeit, ist es aber nicht.
Denn für mich war Führung schon immer eine großartige Herausforderung und eine tolle Aufgabe. Deshalb führe ich auch aus Leidenschaft und will, dass wir gemeinsam stark sind – Ich UND mein Team.
Für mich ist das wahre Führung.

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