EMPÖRUNG IST WAS FÜR FEIGLINGE

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EMPÖRUNG IST WAS FÜR FEIGLINGE

Was für eine Welt wollt ihr euren Kindern hinterlassen?

Ja, ich weiß, krasse Frage. Da hängt ja ziemlich viel dran. Wenn ihr eure Antwort also noch nicht kennt, dann hört euch mal meine an. Denn ich weiß zumindest so viel: Ich möchte der nächsten Generation keine Welt der diffusen Empörung hinterlassen.

Empört euch! Oder nicht …

In Empörung sind die Deutschen ja bekanntlich groß – und das nicht erst seit „Empört euch!“, danke nochmal, Herr Hessel. Sei es nun das Sarrazin-Buch, die G20-Proteste in Hamburg oder die Paradise Papers, Empörung passt doch bei allen ganz wunderbar als Lösungsstrategie. Da kann man sich abreagieren, da kann man sich auslassen über „die Spinner“, „die Verrückten“ und – ganz beliebt – über „die da oben“.

Angesichts meiner Worte schwappt in diesem Moment vermutlich bei einigen die Empörung hoch, was der Kopp da wieder labert.

Tja, ich verrate es euch: Ich finde Empörung ziemlich feige.

Erst Stammtisch, dann Empörung

Empört zu sein, bedeutet letztlich oft nichts Anderes als: eine diffuse Menge vor einen diffusen Karren spannen, indem man ihr eine diffuse Schuld zuschiebt. Facebook zahlt in Europa kaum Steuern, weil es seinen Firmensitz in Luxemburg gewählt hat – uuuh, Empörung! Die Politik geht den Bach runter, weil Frau Merkel Herrn Schmidt nicht im Griff hat – waaah, noch mehr Empörung! H&M beschäftigt in Entwicklungsländern Näher zu völlig vermurksten Mindestlöhnen – aber hallo, Empörung!

Interessant finde ich dabei, dass am Stammtisch meist die am lautesten ihre Empörung rausschreien, die Billigklamotten kaufen, ihr Geld vorm Staat verstecken und ihre Reinigungskraft zu Hause schwarz beschäftigen. Ah ja.

Das will nicht heißen, dass ich Verständnis für die Praktiken von Facebook, H&M oder des besagten Stammtischhockers habe. Aber für mich ist ein Missstand eben nicht damit gegessen, dass ich meine Empörung darüber äußere.

Nur für Weltverbesserer

Empörung ist für mich unredlich, wenn ihr nicht im gleichen Atemzug an eure eigene Verantwortung denkt. Denen „da oben“ die Schuld in die Schuhe zu schieben und sich über sie aufzuregen, hat nämlich wie immer den hübschen Nebeneffekt, dass ihr euch selbst aus der Verantwortung zieht. Aber ihr seid weder „unschuldig“ noch „das kleine Rädchen im Getriebe“. Ihr macht die Welt besser, wenn ihr eure Klamotten für ein paar Euro mehr kauft und im Supermarkt nicht das letzte Billigfleisch kauft. Wer hingegen permanent nur über „die da oben“ lamentiert, der macht meiner Ansicht nach einfach deren trauriges Schauspiel mit.

Bevor ich also in wohltuender Empörung bade, überlege ich doch lieber, wie ich an einer Lösung mitwirken kann. Die Leute, die noch einen Kopf zum Denken haben, dürfen nicht länger Weggucker sein.

1Kommentar
  • Christian Wunderlich
    Geschrieben um 11:23h, 31 Januar Antworten

    Recht hast Du!!!

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