ZUM HEULEN SCHÖN – EIN PLÄDOYER FÜRS WEINEN

Weinen, Mut, Gefühle, Lachen

ZUM HEULEN SCHÖN – EIN PLÄDOYER FÜRS WEINEN

Wann habt ihr das letzte Mal geweint? Ich meine jetzt nicht allein im stillen Kämmerlein, sondern in aller Öffentlichkeit? Ich schätze, das ist eine ganze Weile her …

Ganz anders ist es beim Lachen: Ungefähr 15 Mal am Tag grinsen oder glucksen wir – statistisch gesehen – vor Freude – und das auch noch vor Fremden. Zwei Emotionen, zwei verschiedene Arten, mit ihnen umzugehen. Das ist doch komisch: Manche Gefühle zeigen wir ganz offen, andere unterdrücken wir ständig. Warum eigentlich?

Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Egal ob ein aufgeschürftes Knie oder der allererste Liebeskummer: Schon Eltern bringen ihren Kindern bei, negative Gefühle zu unterbinden. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ oder „Junge, jetzt warst du doch lange genug traurig“ – fast jeder von euch hat sicherlich diese Sprüche zu hören bekommen. So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Erwachsenen sich lieber komplett verstellen und den ganzen Tag die Zähne zusammenbeißen, anstatt einfach zuzugeben, dass auch sie manchmal traurig sind.

Weinen ist großartig

Das ist doch schwachsinnig! Denn Weinen ist genauso großartig wie Lachen. Ja wirklich! Wer schon einmal richtig geheult hat, der weiß, dass es total befreiend ist. „Ja genau, und jetzt soll ich beim nächsten Mitarbeitergespräch vor meinem Chef weinen?!“, denkt garantiert der ein oder andere von euch. Dieser Einwand ist nicht ganz unbegründet – klar, denn bei jeder Gelegenheit auf die Tränendrüse zu drücken, weckt schnell den Anschein, den Chef oder die Mitmenschen manipulieren zu wollen. Schließlich sind die meisten Menschen für Tränen unglaublich empfänglich. Bei feuchten Augen gibt’s eben eine Extraportion Verständnis.

Gefühle an die Macht

Doch einen An- und Ausknopf für Tränen gibt es einfach nicht. Deshalb ist die Frage, ob eine Situation passend für einen Gefühlsausbruch ist oder nicht, die völlig falsche! Denn warum beim verlorenen Champions-League-Finale hemmungsloses Heulen vollkommen akzeptiert ist und Schluchzen in der Straßenbahn mit genervten Blicken geahndet wird, kann auch ich nicht logisch erklären. Die Emotionen sind einfach da, ob ihr wollt oder nicht – und ihr solltet sie rauslassen. Ich bin nämlich der Überzeugung: Nur wer lachen UND weinen kann, hat den Zugang zu sich und seinen Gefühlen gefunden. Das kenne ich aus meinem eigenen Leben …

„Verbündete finden“ leicht gemacht

Diese emotionale Unverblümtheit öffnet mir nicht nur die Pforte zu mir selbst, sondern auch zu anderen. Denn wenn ich in der Lage bin, mich selbst zu spüren, kann ich auch die Gefühle meines Gegenübers nachvollziehen. Dadurch kann ich verstehen, was der andere braucht. Und wer wünscht sich das nicht von einem guten Freund? Gefühlvolle Menschen fällt es also leichter im Leben, Verbündete zu finden.

Heute bin ich traurig

Ich habe auf jeden Fall die Erfahrung gemacht, dass ich mit meinen Mitmenschen auf einer völlig anderen Ebene in Kontakt komme, wenn ich offen sage: „Das macht mich gerade total traurig.“ Die Allermeisten schätzen diese Offenheit – vorgeschobene Gründe hören sie schließlich genug. An negative Reaktionen auf meine Gefühlsoffenbarungen kann ich mich nicht erinnern. Meistens ist es eher Bewunderung, die mir für meine Aufrichtigkeit entgegenschlägt. Probiert es doch auch mal aus und weint, was die Tränendrüse hergibt – auch mal in der Öffentlichkeit.

1Kommentar
  • ANNEROSE OE......
    Geschrieben um 09:54h, 20 Februar Antworten

    ….. ICH BIN JETZT SCHON SO ALT ,ABER MANCHMAL KOMMEN MIR DIE TRÄNEN EINFACH SO DIE BACKEN RUNTER GELAUFEN , WENN ES EINEM FREUND SEHR SCHLECHT GEHT , IST ER ABER DEM SCHICKSAL ENTKOMMEN SIND ES FREUDENTRÄNEN …
    IN DER JUGEND HATTE ICH IMMER NUR VOR ÄRGER UND ZORN GEWEINT … UND NOCH FRÜHER STILL VOR MICH HIN, WEIL MEINE MUTTER
    MICH WIEDER AUS IRGENDEINEM UNERFINDLICHEM GRUND VERPRÜGELT HAT… JA DAS GAB ES UND KEIN GESETZT HAT GEHOLFEN ,
    SELBST IN DER SCHULE MUSSTE MAN DIE TRÄNEN VERDRÜCKEN, WENN MAN WIEDER 4 “ TATZEN “ BEKAM , ODER EINE OHRFEIGE….

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