DAS COMMITMENT IST TOT – LANG LEBE DAS COMMITMENT!

Commitment, Politik, Angela Merkel, Martin Schulz, Unternehmen, Führung, Stress, Mitarbeiter, Jörg Kopp, Bundestagswahl

DAS COMMITMENT IST TOT – LANG LEBE DAS COMMITMENT!

Egal, wohin ich schaue – sei es auf die Struktur vieler Unternehmen oder auf die Politik –, scheint es heute zum guten Ton zu gehören, anderen nach dem Mund zu reden. Und das, obwohl ich doch gerade das Gegenteil von einer Führungs- und Leitfigur erwarte. Nämlich Commitment! Danach suche ich leider schon länger vergebens.

Wenn wir doch gleich mal ganz oben anfangen, bei den „Mächtigen“ des Landes, und uns die letzten Tage des Wahlkampfs anschauen: Angela Merkel und Martin Schulz lächeln sich im TV-Duell in einer Tour verträumt an und spielen sich die Bälle gegenseitig zu. Wenn sie mal nicht einer Meinung sind – wie kurzzeitig in der Türkeipolitik und der Frage, ob die Verhandlungen zum EU-Beitritt der Türkei aus deutscher Sicht fortgesetzt werden sollten –, wird solange darüber geredet – ja, geredet, nicht etwa debattiert oder diskutiert –, bis sie sich auf einen gemeinsamen Weg einigen können. Es könnte schließlich den einen Stimmen kosten, die dann zum anderen oder gar einer dritten Partei abwandern, wenn man sich in der großen Koalition nicht einigt. Fehlten nur noch Kaffee, Milch und Kekse und das Kaffeekränzchen wäre perfekt gewesen.

Wo bleibt da bloß das Commitment?

NO RISK – NO CAREER?!

Schließlich ist es doch eine alte Sehnsucht des Menschen, sich an einer Person auszurichten und sich in deren Idealen wiederzufinden. Statt dieses Commitment zu zeigen und sich durch klare Standpunkte und vielleicht auch mal unangenehme, polarisierende Ansichten klar zu positionieren, heuchelt sich die Politik dagegen nur noch von einem Wahlkampf zum anderen. Sei das im Kleinen in der Kommunal- oder im Großen in der Bundespolitik. Doch wohin führt das?

Wenn schon die großen Leittiere unseres Landes kein Rückgrat, kein Commitment mehr zeigen – wie kann ich es dann bei einem Mitarbeiter erwarten? Wie kann ich es ihm vorwerfen, wenn er in seinem Job keine Risiken eingeht und nicht mehr als „nur“ das erwartete Engagement zeigt, sondern nur Dienst nach Vorschrift macht? Er sieht doch bei ihnen und häufig auch bei seinen Vorgesetzten, dass er genau auf diese Art und Weise die Karriereleiter hochkommt: indem er anderen in den Hintern kriecht.

NICHT IMMER EVERYBODY’S DARLING

Doch ihr braucht Überzeugungen und Ansichten, für die ihr stehen und euch behaupten könnt. Mag sein, dass ihr dafür nicht gleich geliebt und geachtet werdet. Aber nur so bringt ihr euch und euer Unternehmen weiter und verändert und verbessert Dinge, die euch stinken. Die Geschichte zeigt ja, dass große Männer und Frauen selten sofort den größten Rückhalt erfuhren, wenn sie Commitment zeigten. Nicht umsonst gingen Menschen wie Gandhi oder Nelson Mandela steinige Wege und saßen für ihre Werte und Überzeugungen mehrere Gefängnisstrafen ab.

Auf lange Sicht braucht ihr allerdings genau dieses Commitment und Engagement, diese Ideale, an denen ihr festhalten könnt. Und wenn die Führungsriege oder andere nicht mehr in der Lage dazu sind, sie euch vorzuleben, dann müsst ihr diesen Part eben selbst übernehmen. Denn nur, wenn ihr hinter euren Werten steht, seid ihr auch überzeugend. So hat es auch bei Gandhi funktioniert – Commitment zahlt sich auf Dauer aus.

„GEH VORAN“ STATT „KOMM MIT“

Nein, ich möchte damit nicht sagen, dass ihr bereit sein müsst, für euer Commitment ins Gefängnis zu gehen. Aber ihr solltet euch lieber nach einem großen Mann wie Gandhi richten als nach manch heuchlerischen Stimmenfängern. Nach Menschen, die mutiger sind und schon weiter als ihr selbst. Geht mit euren Werten voran, statt nur mitzulaufen. Sonst tretet ihr auf der Stelle und verbaut euch die Chance, durch euer Commitment über euch hinauszuwachsen.

Und das wäre doch nun wirklich eine traurige, wenn nicht gar eine beschissene Aussicht.

Noch keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben