Alles reine Vermutung – außer ihr tut es!

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Alles reine Vermutung – außer ihr tut es!

Ja, Führungskräfte sollten mit ihren Mitarbeitern sprechen – auch außerhalb der Jahresgespräche. Klingt logisch, oder? Trotzdem verbringe ich regelmäßig unzählige Meetings mit Führungskräften, damit sie zu dieser Erkenntnis gelangen. Ganz viel Zeit also, um alle möglichen Hypothesen zu bilden: Wie könnten die Mitarbeiter reagieren? Was ändert sich dadurch im Team? Irgendwann sind alle Eventualitäten durchgesprochen, jede Vermutung geäußert. Dann erst reden die Verantwortungsträger mit ihren Mitarbeitern. Endlich! Ich frage mich immer: Geht das nicht auch ohne das ganze Blabla ?!

Weit verbreitet

Denn in der Zeit, in der die Führungskräfte abwägen, wären schon längst einige Mitarbeitergespräche geführt worden. Das Schlimme daran: Dieses Phänomen ist nicht auf Führungskräfte beschränkt – es ist alles andere als ein Einzelfall.

Ihr bildet doch bestimmt auch gerne Hypothesen darüber, wie ein Freund oder der Chef reagieren könnte, bevor ihr ihn etwas fragt. „Er hat doch bestimmt keine Lust auf einen Stadtbummel, so schlecht gelaunt wie er ist.“ Oder: „Er hat so viel zu tun, da hat er vermutlich keine Zeit für das Feierabendbier mit den Kollegen heute.“

Was bringt euch das? Warum kommt ihr nicht einfach aus dem Quark und stellt eure Frage?

Ganz schön behämmert

Okay, ich geb’s zu: Auch ich erwische mich hin und wieder dabei, wie ich ein Telefonat, auf das ich so gar keine Lust habe, hinauszögere. Ich schiebe es von einem auf den anderen Tag, weil ich befürchte, dass die Antwort meines Gesprächspartners mir den Tag versaut. Und so schnell habe ich eine Vermutung darüber geäußert, wie ein anderer reagieren könnte. Dabei kann ich das ja gar nicht wissen! Wie ich dann reagiere?

Wenn ich mich dabei erwische, Gründe für mein (Nichts-) Tun zu erfinden, mache ich mir einfach bewusst, wie behämmert das eigentlich ist. Denn ich werde nie herausfinden, wie die Reaktion meines Gesprächspartners wirklich ist, wenn ich den Hörer nicht in die Hand nehme. Also: Weg mit den Hypothesen!

Ziemlich rückständig

Doch natürlich gibt es durchaus auch gute Gründe, etwas nicht zu machen. Dass ich nicht auf die heiße Herdplatte fasse, weil ich mich so furchtbar verbrennen könnte, ist zum Beispiel so einer. Ein wirklich schlechter Grund ist dagegen, den Chef nicht nach flexibleren Arbeitszeiten zu fragen, weil ihr vermutet, er könnte darüber nicht sehr erfreut sein. Könnte, vielleicht, eventuell, unter Umständen, … Wie ein anderer Mensch reagiert, kann niemand wissen. Das ständige Aufstellen von Vermutungen macht hier keinen Sinn! Handeln ist angesagt!

„Aber ich kenne Herrn Meier! Bis jetzt hat er sich meistens so oder so verhalten, wenn ich ihn dies oder jenes gefragt habe“, könntet ihr jetzt einwerfen. Und schon stellt ihr eine Vermutung auf, die auf seinem Verhalten in der Vergangenheit beruht. Das hat doch aber nichts mit der Gegenwart zu tun! Ich versuche immer wieder, mir das bewusst zu machen. Dann fällt es mir auch leichter, auf Vermutungen zu verzichten und stattdessen zu handeln. Also frage ich mein Gegenüber, was mich interessiert oder sag ihm meine Meinung. Dann sehe ich ja, wie er reagiert. Das hat einen großen Vorteil: So erlebe ich häufig eine Überraschung und ich brauche mich nie fragen: „Was wäre gewesen, wenn …“

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