LEBEN AUF DEM LAND – MEIN MICKEY-MOUSE-ALBTRAUM

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LEBEN AUF DEM LAND – MEIN MICKEY-MOUSE-ALBTRAUM

Die gute alte Landluft, reichlich Tiere um einen herum und natürlich ganz viel Natur – ja ja, so ein Leben auf dem Land ist für viele das Happy End in ihrem ganz persönlichen Mickey-Mouse-Traum.

Was ich dort empfinde, ist jedoch etwas ganz anderes: nach Gülle duftende Luft, weit und breit keine Menschenseele und dort sagen sich der Hase und der Fuchs noch gute Nacht. Das ist kein Traum für mich, sondern mein ganz persönlicher Albtraum. Denn ich brauche die Stadt, wie die güllefreie Luft zum Atmen.

Aber das laut aussprechen? Gar nicht so einfach, denn Gegenwind von eingefleischten Pseudo-Landliebhabern ist mir garantiert. Aber wie viele von denen haben sich denn wirklich aktiv für diesen Traum entschieden? Und wie viele laufen nur mit, weil das Ideal vom vom Landleben zur Konvention gehört?

Meine Vergangenheit in der Einöde

Vielleicht merkt ihr schon, dass hier ein gebrandmarktes Kind spricht. Bis zu meinem neunten Lebensjahr lebte ich in Köln. Und was soll ich sagen? Das war eine glückliche Zeit. Zumindest bis meine kleine Schwester auf die Welt kam und meinen Eltern ein Leben auf dem Land sinnvoller erschien. Bei dieser Entscheidung waren wir allerdings überhaupt nicht d’accord. Ich fand mein neues Leben zum Kotzen. Ich vermisste die Stadt. Ich vermisste, dass ich nur fünf Minuten bis zur Schule brauchte und in Nullkommanichts überall war. Kein Wunder also, dass mein Entschluss schnell gefasst war: Wenn ich groß bin, werde ich nur noch in Städten leben, die mindestens eine Million Einwohner haben!

Auch heute noch teile ich die Ansicht des kleinen Jörgs, obwohl sie nicht irgendwelchen gesellschaftlichen Konventionen vom idyllischen Leben entspricht. Aber wisst ihr was? Da pfeife ich drauf!

Seichte Parolen ziehen nicht

Diese romantische Verklärung – „sein eigenes Häuschen im Grünen haben samt Kindern und Hund“ – ist nichts für mich. Doch gegen diese rosarote Traumvorstellung zu sein, nervt nicht mich, sondern vor allem meine Mitmenschen. Denn nur die wenigsten verkraften, wenn die eigene Traumvorstellung vom Leben nicht die der anderen ist.

Also verteidigen die Träumer ihren Traum – ohne sich jemals Gedanken darüber gemacht zu haben, ob da nicht doch ein Fünkchen Wahrheit an der anderen Meinung ist. Stattdessen packen sie lahme 08/15-Parolen aus, um mich schnell zurück in den Mainstream zu ziehen. „Ja, aber Jörg, bei so einem Leben in der Stadt bist du doch nieeeee alleine. Das stresst unheimlich. Und gleichzeitig sind die Menschen oft einsam. Schrecklich!“

Diese ganzen seichten Argumente brauche ich nicht. Schließlich habe ich mein Leben bewusst für mich selbst gewählt. Ein Problem habe ich mit Einsamkeit zum Beispiel überhaupt nicht. Ich kann ganz gut alleine sein und das gelingt mir auch unter Menschen. Indem ich in Cafés gehe. Dort bin ich dann in Gesellschaft und trotzdem allein – doch einsam fühle ich mich nicht. Ich beobachte die Menschen und den Alltagstrubel um mich herum. Diese Atmosphäre mit den verschiedenen Stimmungen, Gerüchen und Geräuschen ist einfach großartig!

Eine Meinung mit Denkführerschein

Dass diese Art zu leben nicht jedem Menschen gleichermaßen liegt, ist doch nur verständlich. Ein anderer findet dasselbe vielleicht beschissen. Aber genau diese unterschiedlichen Ansichten sind für mich der springende Punkt: Jeder soll eine eigene Meinung haben – aber bitte nur, wenn er sich auch genügend Gedanken darüber gemacht hat.

Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann treffe ich sie, weil sie zu MEINEM Mindset, MEINER Persönlichkeit und MEINEN Ansichten passt und nicht zu irgendwelchen gesellschaftlichen Mainstream-Idealbildern. Ich habe ein Wahlrecht. Deshalb endet mein Leben in meinem persönlichen Micky-Mouse-Traum auch nicht auf dem Land, sondern eben in einer schicken Stadtwohnung.

Ich liebe es, dass ich nicht langfristig planen muss, ich nachts noch einkaufen gehen kann und ich keine zwei Stunden Autofahrt brauche, um bei meinem Arbeitsplatz anzukommen. Die Freiheit, die ich in der Stadt habe, ist mir heilig und ich würde nie wieder tauschen wollen.

Das gilt also für mich. Aber wie sieht das bei euch aus?

1Kommentar
  • Jürgen
    Geschrieben um 15:36h, 12 Juli Antworten

    Schade, da fällt Düsseldorf als Nicht-Millionenstadt ja flach als Wohnsitz. Ich hatte immer schon den Dagobert-Duck-Traum: in einer Stadt wohnen, die Platz für große Geldspeicher hat 🙂

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